Bei Hausverkauf oder Modernisierung: Vernetzt euch mit Nachbar*innen, holt Hilfe von einer Mieter*innen-Beratung und sagt im Rathaus Bescheid.
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Durch die niedrigen Zinsen sowie die Explosion von Mieten und Kaufpreisen für Eigentumswohnungen sind Immobilien zu einem interessanten Spekulationsobjekt für Investor*innen geworden. Diese sind oft auf maximale und kurzfristige Renditen aus. Resigniertes Abwarten hilft hier nicht.

HAUSVERKAUF

Die ersten Alarmzeichen: Ein Architekt besichtigt das Haus oder die Wohnungen. Ein Makler begehrt Einlass. Das Haus wird in einem Immobilienportal zum Verkauf angeboten. Werde sofort aktiv: Sprich mit Nachbar*innen und kontaktiere uns oder eine Mieter*innenberatung. Falls du in einem Milieuschutzgebiet wohnst, wende Dich an das Bezirksamt und frag nach, ob dort schon etwas vorliegt.

Bezirkliches Vorkaufsrecht: Wir wollen euch bei der Abwehr eines spekulativen Verkaufs helfen. Das ist in der Regel ein ziemlicher Kraftakt. Denn ab Eingang des Kaufvertrags hat der Bezirk nur genau zwei Monate Zeit, um das Vorkaufsrecht auszuüben. In dieser Zeit muss ein sogenannter Dritter gefunden werden, also jemand, der bereit ist, das Haus zum vereinbarten Preis zu kaufen. Dies können städtische Wohnungsbaugesellschaften sein, aber auch Genossenschaften oder Stiftungen und sozial orientierte Privatleute. In jedem Fall ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Bewohner*innen und Bezirksamt unerlässlich, wenn das Vorkaufsrecht erfolgreich zur Anwendung kommen soll. Wer Unterstützung benötigt, kann uns eine Email schicken. Wir werden uns innerhalb von wenigen Tagen bei Dir melden. Außerdem haben wir hier eine Liste von Mieter*innenberatungen in Neukölln zusammengestellt.

MODERNISIERUNG

Wenn Dein*e Vermieter*in eine Modernisierung ankündigt: Stimme nicht unüberlegt zu und lese sie sorgfältig. Du hast nur bis zum Ende des nächsten Monats Zeit, um Einspruch zu erheben oder einen Härtefall geltend zu machen. Die Frist solltest Du auf keinen Fall verstreichen lassen. Nur während dieser Frist kann eine soziale Härte geltend gemacht werden – dies liegt in der Regel dann vor, wenn durch die Modernisierung eure Mietbelastung auf über 30% Eures Haushaltseinkommens steigt. Prüft jede Ankündigung, ob die geschilderten Maßnahmen überhaupt eine Wertverbesserung darstellen und ob die Instandhaltungsmaßnahmen bei der Mieterhöhung abgezogen werden. Wohnt Ihr in einem Milieuschutzgebiet, fragt beim Bezirksamt nach, ob diese Maßnahmen angekündigt und genehmigt worden sind.

 Ganz wichtig: Denkt nicht nur an Euch, sondern sprecht Eure Nachbar*innen aktiv an! Nicht jede*r hat aus den unterschiedlichsten Gründen die Ressourcen, die Zeit oder die Kenntnisse, um sich mit der Gültigkeit von Modernisierungsankündigungen oder der Möglichkeit von Härtefallanträgen zu beschäftigen. Gerade diese Nachbar*innen streichen in der Regel als erstes die Segel, wenn Ihr sie nicht unterstützt. Informiert sie, zeigt ihnen den Weg zur Mieter*innenberatung und unterstützt sie, wenn es notwendig ist, beim Ausfüllen der Anträge.

Zur Info: Der Milieuschutz gilt auch für leerstehende Wohnungen. Wenn Ihr mitbekommt, dass in leerstehenden Wohnungen umfangreiche Modernisierungen stattfinden (oft sind dies z.B. Grundrissveränderungen), meldet dies bitte ebenfalls dem Bezirksamt. So helft Ihr mit, dass bezahlbare Wohnungen erhalten bleiben!

ZUSAMMEN SEID IHR STARK

Vernetzt euch mit den Nachbar*innen: Es ist wichtig, dass die Hausgemeinschaft im Falle eines drohenden Hausverkaufs oder einer anstehenden Modernisierung an einem Strang zieht und sich nicht auseinanderdividieren lässt. Das Wort der Gruppe hat mehr Gewicht. Gemeinsam könnt ihr beraten, was in Eurem Fall die richtige Strategie ist, um mit der Situation umzugehen und Euch aufteilen um Informationen zu beschaffen und Unterstützer*innen anzusprechen. Gemeinsam könnt ihr eher euer Zuhause retten.